03.04.2012
Die Tyrannei der Frömmler: Eine Polemik
Was machen gläubige Christen am Karfreitag? Sie suchen nach Kontemplation, dem Gebet,der inneren Einkehr und wenden sich auch mal den dunklen Seiten des Lebens zu. Einige jedenfalls. Dagegen ist nichts einzuwenden. Da aber den frommen Erleuchteten der Gedanke unerträglich ist, dass ungläubiges Heidenvolk andernorts womöglich gut gelaunt und trinkfreudig in das lange Hasenfestwochenende hineintanzt, haben sie dafür Sorge getragen dass jedem unheiligen Tun Einhalt geboten wird. Es reicht den Frommen nicht, dass der Gesetzgeber ihrer jährlichen – anhand einer bestimmten Vollmondkonstellationen terminlich berechneten – Depressionsdosis einen arbeitsfreien Tag spendiert hat. Sie verlangen obendrein dass zu diesem festgelegten Termin auch allen anderen Bürgern jeglicher gemeinschaftliche Ausdruck von Lebensfreude zu verbieten ist. Und der Gesetzgeber hat diesem Begehren in grauer Vorzeit stattgegeben. So wird bis zum heutigen Tag verhindert, dass feiersüchtige Hedonisten in endlosen Polonaisen grölend durch die Kirchen und Andachtszimmer tanzen, in denen die in Folter- und Hinrichtungsgeschichten schwelgenden Psycho-Flagellanten an ihrer seelischen Gesundheit arbeiten. Natürlich reicht den Rechtgläubigen auch das noch nicht: So muss natürlich auch darauf geachtet werden dass eine Krawallveranstaltung wie zum Beispiel ein Schachturnier am Tag des toten Tischlers zu unterbleiben hat. Schach-Hooligans sind schließlich dafür bekannt, sich bei ihrer Randale einen Dreck um die Gefühlswelt der nach Tod, Auferstehung und Erlösung dürstenden gequälten Seelen zu scheren. In Hessen scheinen die verlotterten Elemente ohne Ehrfurcht vor lila oder schwarz verpackten Kreuzen eine besondere Landplage zu sein. Da mutieren Ordnungsbehörden gerne auch mal zur Religionspolizei und verleihen den Forderungen des organisierten Masochismus mit heftigen Drohungen deutlichen Nachdruck.
Gesetzliche Tanzverbote existieren zur Zeit in einigen Kantonen der Schweiz, in Deutschland und im Iran.
